Mitgliederzahlen von Religionsgemeinschaften

Grafik: Symbol für Themen = StiftIn Deutschland gibt es keine offizielle laufende Statistik über die Mitgliederzahlen der Religionsgemeinschaften. Bei den Meldebehörden werden nur die großen christlichen Konfessionen sowie die Zugehörigkeit zu einer jüdischen Gemeinde abgefragt. Alle anderen Religionen werden unter "andere" zusammengefasst. Die in den Veröffentlichungen der statistsichen Ämter gemachten Angaben beziehen sich auf die fortgeschriebenen Daten der Volkszählung von 1987 (alte Bundesländer) sowie auf die Statistiken der Religionsgemeinschaften.
Auf der Basis von Eigenangaben und / oder zuverlässigen Schätzungen und Erhebungen unterschiedlichster Stellen lässt sich die Religionszugehörigkeit der Bevölkerung in Deutschland jedoch einigermaßen annähernd angeben. Der Religionswissenschaftliche Medien- und Informationsdienst e. V. REMID führt eine derart zusammengestellte Übersicht in seinem Internet-Angebot. Sie kann zu den ausführlichsten Statistiken zählen.
Regionale Angaben (Länder- oder Kreisebene) hingegen sind, abgesehen von den christlichen Kirchen, nur schwer zu ermitteln.

 

In seinem Internet-Angebot weist REMID selbst auf einige Punkte hin, die bei der Auswertung von Statistiken zu Mitgliederzahlen von Religionsgemeinschaften beachtet werden müssen.

 

(1) Die formale Zugehörigkeit zu einer Religonsgemeinschaft hat einen unterschiedlichen Status. Die Mitgliedschaft in den christlichen Volkskirchen ergibt sich bspw. durch die Taufe. Das bedeutet aber, dass nicht jedes Kirchenmitglied auch überzeugter Gläubiger ist. Als Maßstab hierfür wird häufig der sonntägliche Gottesdienstbesuch herangezogen. Ähnliches lässt sich auf für das orthodoxe Christentum sagen, das durch Zuwanderung aus Ost- und Südosteuropa eine immer größere Bedeutung gewinnt. Für den Islam gilt, dass die Religionszugehörigkeit meist die Herkunftsländer der in Deutschland lebenden AusländerInnen erschlossen wird. Eine "Mitgliedschaft" in einer kirchenähnlichen Institution ist den Muslimen hingegen fremd. Deshalb sind die Mitgliederzahlen der Moscheevereine auch vergleichsweise niedrig und geben nicht das Potenzial der von den jeweiligen Verbänden repräsentierten Gläubigen an. Darüber hinaus gibt es auch im Islam "formale" Muslime, die ihre Religion nicht aktiv oder nur zu bestimmten Anlässen leben oder ihr sogar ablehnend gegenüberstehen. Schätzungen gehen davon aus, dass dies bei rund einem Drittel der Muslime der Fall ist.
Demgegenüber ist bei kleineren Religonsgemeinschaften, insbesondere aus dem christlichen Raum (Freikirchen, Sondergemeinschaften), die Zahl der Gemeindemitglieder mit der Zahl der Gläubigen meist identisch. Allerdings werden Kinder und Jugendliche in der Regel nicht mitgezählt, da davon ausgegangen wird, dass erst eine bewusste Glaubensentscheidung zum Eintritt in die Gemeinde berechtigt, und dass diese Entscheidung erst im jungen Erwachsenenalter getroffen werden kann.

 

(2) Vor allem bei neuen Religionen ergibt sich die Problematik von Mitgliedschaft, Umfeld und Teilnehmenden an einzelnen Angeboten einer Gemeinschaft. Hier verweist die Mitgliedschaft häufig auf einen engeren Kreis von Gläubigen - bspw. Menschen, die ein spezielles Gelübde abgelegt haben (Mönche) oder die in den Erkenntnisstufen weiter fortgeschritten sind. Bei einigen dieser Gemeinschaften wird dann von einem sog. Umfeld gesprochen, das sich z. B. durch regelmäßige Teilnahme an Veranstaltungen definiert. Weiter gefasst ist die Gruppe derjenigen, die an verschiedenen Angeboten einer Gemeinschaft teilnehmen, ohne das damit verbundene religiöse oder weltanschauliche Lehrgebäude zu übernehmen (z. B. im Bereich Meditation). Insbesondere hier muss in Betracht gezogen werden, dass die Fluktuation der TeilnehmerInnen sehr hoch ist. Es wäre deshalb nicht richtig, die Bedeutung einer Gemeinschaft daran zu bemessen, wie viele Menschen an einzelnen Angeboten teilnehmen oder gar teilgenommen haben.

 

Unter Beachtung dieser Unterschiede und unter Berücksichtigung von Einzelanalysen geben die veröffentlichten Mitgliederzahlen von Religionsgemeinschaften jedoch ein plastisches Abbild des zunehmenden religiösen Pluralismus.

 

 

Steffen Rink

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Erstellt: 26.07.2002