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Grafik Seitentitel: Karikaturenstreit

Grafik: Symbol für Islam - Halbmond mit SternIm Frühjahr 2006 erschütterte der sog. Kartikaturenstreit die islamische wie die westliche Welt. Auslöser waren politische Karikaturen, die im September 2005 in einer dänischen Tageszeitung erschienen sind. Doch erst Monate später gerieten diese Karikaturen zum Politikum. Während Muslime darin eine Gotteslästerung erkannten, da der Prophet Mohammed nicht dargestellt werden dürfe - und schon gar nicht in einer solch herabwürdigenden Weise -, pochten Vertreterinnen und Vertreter westlicher Länder auf den Grundsatz der Pressefreiheit, nach dem auch Religionen der Kritik ausgesetzt werden dürften.
In teils gewaltsam geführten Auseinandersetzung - so wurden Botschaften westlicher Länder in arabischen Staaten angegriffen - vermischen sich verschiedene Aspekte. Für viele Muslime waren die Karikaturen ein erneutes Beispiel, wie der "Westen" die Werte ihrer Religion missachte. Im politischen Konflikt boten die Karikaturen einen willkommenen Anlass, tiefer liegenden Ressentiments Ausdruck zu verleihen und nicht zuletzt - insbesondere von islamistischen Gruppierungen in arabischen Ländern - die Muslime für die Artikulation weiter gehender politischer Ziele zu mobilisieren. In umgekehrter Weise wurden in europäischen Ländern grundsätzliche antiislamische Stimmungen aktualisiert - bis hin zu Vorschlägen aus der Schweiz, die Einbürgerung von Muslimen auszusetzen. Auch die Debatte um Einbürgerungstest in Deutschland wurde vom Karikaturenstreit beeinflusst.
Weit weniger konnten sich in der Diskussion differenzierende Stimmen durchsetzen. Dass zum Beispiel auch in Deutschland Satire nicht alles darf und sich auch Kirchen immer wieder gegen Schmähkritik zu wehren versuchen, spielte genauso wenig eine Rolle wie die unterschiedlichen Wahrnehmungen von Satire und ihren Inhalten. Ebenso konnte in der aufgeheizten Stimmung keine Debatte darüber geführt werden, dass das sog. Bilderverbot im Islam beispielsweise historischen Änderungen unterworfen war, und dass es außerhalb religiöser Räume auch in muslimischen Ländern Darstellungen von Mohammed gegeben hat.
 

Hinweis: Auf dieser Seite sowie auf den Links sind viele Verweise auf Zeitungsbeiträge angeführt. Es kann sein, dass diese Seiten, je nach Politik des Zeitungsverlages, nach einem gewissen Zeitraum von den Servern entfernt werden.

Rechtliche Aspekte - Gotteslästerung und Satire

Grundgesetz, Artikel 5

Absatz 1: Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
Absatz 2: Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre

Sog. Gotteslästerungs-Paragraph im Strafgesetzbuch (§ 166 StGB)
[Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen]

(1) Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Ebenso wird bestraft, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) eine im Inland bestehende Kirche oder andere Religionsgesellschaft oder Weltanschauungsvereinigung, ihre Einrichtungen oder Gebräuche in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.

Beispiel Christentum: Darstellung eines gekreuzigten Schweins

1998 wurde vom Oberlandesgericht Nürnberg ein Urteil gesprochen, nach dem eine im Internet verbreitete Darstellung eines gekreutzigten Schweins den Sachverhalt der Beschimpfung eines religiösen Bekenntnisses nach § 166 StGB erfüllt.
In der Zusammenfassung wird auf die beiden Begriffe "Beschimpfung" und "Störung des öffentlichen Friedens" eingegangen
>> Artikel zum Verfahren vor dem OLG Nürnberg

Satire und Zensur

Im Jahr 2000 beschäftigte sich ein Seminar der Universität Münster mit der Problematik Satire und Zensur. Der Text von Lisa Westermann, Soziologin, gibt einen guten Überblick über die Aspekte der Thematik. Er ist an verschiedenen Stellen im Internet auffindbar.

>> Lisa Westermann: Satire und Zensur
>> Homepage des Projekts

Der direkte Link zum Text gibt keine Möglichkeit, zur Homepage des Projekts zu gelangen.

Karikaturenstreit 2005 / 2006

Chronologie

Eine Zusammenstellung von Michael Muhammad Abduh Pfaff, Vorsitzender der Deutschen Muslim Liga, zeigt den Verlauf und die zentralen Dokumente, zusätzlich Positionen der DML.

> Chronologie Mohammed-Karikaturen (PDF, 110 KB)

(Mit freundlicher Genehmigung des Verfassers auf religion-online.info eingestellt.)

karikaturenstreit.de

Eine private Seite mit Links zu grundlegenden Artikeln, die die Geschichte des Streits und wesentliche Standpunkte dokumentieren. In einigen Links sind auch die Karikaturen vom September 2005 enthalten.
>> Homepage karikaturenstreit.de

Informationen der Landszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg

Die Landeszentrale gibt einen Überblick über den Verlauf der Auseinandersetzung und Links zu weiterführenden Meldungen
>> Info-Seite der Landeszentrale für politische Bildung

Presseportal

Zahlreiche aktuellere Zeitungsmeldungen zum Thema
>> Presseportal Karikaturenstreit

IFA-Presseschau

Eine Presseschau des Instituts für Auslandsbeziehungen, Stuttgart
>> Presseportal Insitut für Auslandsbeziehungen

FR-Dossier

Die Frankfurter Rundschau hat unterschiedliche in ihrer Zeitung erschienene Beiträge zusammengestellt. Die Artikel bieten viele weiterführende Aspekte
>> FR-Dossier Karikaturenstreit

Perlentaucher - Europäische Presseschau

Die Online-Plattform für Literatur hat eine Seite veröffentlicht, in der, chronologisch zusammengestellt, Stellungnahmen aus Deutschland und anderen europäischen Ländern wiedergegeben und kommentiert sind.
>> Europäische Presseschau

Reaktionen

Islamische Stimmen aus Deutschland

Im Verlauf der Debatte haben sich auch die deutschen Muslime eingeschaltet. Generell lehnen sie - wie auch bei anderen Vorkommnissen und daher eigentlich nicht mehr der Erwähnung wert - eine gewaltsame Austragung des Konflikts ab. Zugleich reklamieren die Verbände, dass die Bemühungen um Toleranz und Anerkennung des Islam in Deutschland verstärkt werden müssten.

>> Presserklärung des Zentralrats der Muslime

>> Erklärung der Deutschen Muslim-Liga

>> Artikel von Ahmad von Denffer in Al-Islam.

>> Erklärung der Alevitischen Gemeinde Deutschlands vom 7. Februar 2006

>> Pressemitteilung der Ahmadiyya-Gemeinde Deutschlands

Centrum für religiöse Studien

Muhammad Kalisch, Leiter des Centrums für religiöse Studien an der Universität Münster, hat im Februar eine längere Stellungnahme verbreitet, die wesentliche Aspekte des Konflikts darstellt und aus muslimischer Sicht bewertet.

>> Stellungnahme zum gegenwärtigen Konflikt...

Islamische Zeitung

Die Islamische Zeitung veröffentlichte am 17. Februar ein Interview mit der Autorin Sabine Kebir, das die Reaktionen auf den Konflikt um die Karikaturen behandelt.

>> Interview: "Spannungen, die die Menschen eignetlich nicht wollen"

Bund Deutscher Zeitungsverleger (BDZV)

Der BDZ hat auf seiner Internetseite (ohne Datum) die Veröffentlichung der Karikaturen verteidigt. Er sieht auch die Nachdrucke in deutschen Medien als Teil der grundsätzlich geschützten Pressefreiheit an, die ein konstituierendes Element der demokratischen Grundordnung ist.
In dem Beitrag sind auch weitere Stellungnahmen von Journalisten und Autoren aufgeführt.

>> Zum Karikaturenstreit (BDZV)

Gotteslästerung, Bilderverbot, weitere Themen

Nachfolgend einige Beiträge zu verschiedenen Aspekten, die in der Auseinandersetzung deutlich wurden. Es findet sich ebenfalls ein Link zu einer Internet-Seite, die Abbildungen von Mohammed zusammengestellt hat.

Islamisches Bilderverbot?

In einem Beitrag aus der NZZ vom 16. Februar 2006 wird der kulturhistorische Hintergrund des islamischen Bilderverbots beleuchtet. In die gleiche Richtung zielt der - wesentlich knappere - Kurzbeitrag in der Frankfurter Rundschau. Tenor beider Beiträge ist: Das Bilderverbot ist im Islam nicht vorgeschrieben, hat sich aber durchgesetzt. Weitere Beispiele von historichen Abbildungen bietet ein kulturhistorischer Beitrag der Seite zentralasien.net.
Dem gegenüber stehen u. a. auch die Verlautbarungen deutscher Muslime. Der entsprechende Abschnitt des Fragen- und Antwort- Bereichs auf islam.de steht als Beispiel für viele.

>> Der Prophet und seine Bilder (NZZ vom 16.02.2006)

>> Das Tabu (FR, 03.02.2006)

>> Das islamische Bilderverbot

Die Seiten zentralasien.net sind im Jahr 2003 an der TU Berlin entstanden. Sie enthalten weitere Beispiele islamischer Ornamentik, wie sie in zentralasiatischen Ländern ausgebildet wurde.

>> Bilderverbot im Islam (islam.de)

Gotteslästerung und Christentum

Auf quantara.de, dem Informationsportal zum Islam der Bundeszentrale für politische Bildung und des Goethe-Instituts, erschien ein aufschlussreicher Beitrag über entsprechende Konflikte in Bezug auf die christliche Religion.

>> Das Recht, Gott zu lästern? (quantara.de)

Karikaturen und Antisemitismus

Die Bildersprache poliitscher Karikaturen ist auf viele Themen, Bevölkerungsgruppen oder Religionen anwendbar. Die jüdische Religion, die Jüdinnen und Juden sind schon länger einer antisemitischen politischen Karikatur ausgesetzt. Der Beitrag zeigt, wie die antisemitische Karikatur in der Neuzeit entstanden ist. Er ist entstanden in einem Projekt des Lessing-Gymnasiums in Döbeln.

>> Antisemitismus und Antijudaismus als Karikatur

Politische Dimensionen

Die Analyse des Haus Rissen in Hamburg sieht im Karikaturenstreit so gut wie ausschließlic politische Motive, auch bei den Muslimen in Europa, so auch in Dänemark. Der Beitrag wurde am 9. Februar 2006 publiziert.
Das Haus Rissen ist ein privater Wissenschaftsdienstleister.

>> Der Karikaturenstreit als Waffe des politischen Islams

The Mohammed Image Archive

Die Hintergründe dieser englischsprachigen Seite sind unklar - zum Thema Karikaturenstreit bzw. Abbildungen Mohammeds sind aber in verschiedenen Rubriken eine Reihe von Abbildungen zusammengestellt und mit kurzen Kommentaren versehen.
Einige Darstellungen überschreiten jedoch die tolerierbaren Grenzen, insbesondere die Rubrik "Extreme Mohammed". Deswegen erfolgt hier zusätzlich eine deutliche Distanzierung zu den Inhalten dieses Links. Der Verweis wurde auf diese Seite aufgenommen, da viele Bilder einen dokumentarischen Wert haben und u. a. zeigen, dass das Problem von ggf. problematischen Mohammed-Darstellungen nicht neu ist.

>> Mohammed Image Archive

Nicht anschauen, wer sensibel für religiöse Schmähungen ist!

© 2006 Informationsplattform Religion / REMID e. V.
www.remid.de | www.religion-online.info

Bearbeiter: Steffen Rink | Erstellt: 23.03.2006 | zuletzt aktualisiert: 27.04.2006

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