Grafik: Logo Informationsplattform Religion

Grafik Seitentitel: 'Themen'

Grafik: Symbol für Christentum = Kreuz Die Bundestagswahl 2002 wurde von der bisherigen rot-grünen Koalition mit etwas mehr als 6.000 Stimmen gewonnen. In der öffentlichen Diskussion wird immer darauf verwiesen, dass bei einem solchen knappen Wahlergerbnis die Stimmen von einzelnen gesellschaftlichen Gruppen wahlentscheidend gewesen sein könnten, etwa die der wahlberechtigten Muslime. In gleicher Weise trifft dies auch für Christen zu.

Konfessionelle Bindungen

Die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen hat die Wählerinnen und Wähler am Wahltag auch nach konfessionellen Bindungen gefragt. Die Ergebnisse spiegeln ein seit langem bestehendes Bild: Protestanten wählen mehrheitlich SPD (2002: 44 Prozent), Katholiken CDU (2002: 52 Prozent). Zugleich gibt es aber eine weitere Tendenz: Je häufiger die Kirchgangshäufigkeit ist, umso eher tendieren die Wählerinnen und Wähler zur CDU. > mehr Informationen...

Bedeutung christlicher Kleinparteien

Nennenswerte Ergebnisse konnten auch bei dieser Bundestagswahl lediglich die Partei "Christliche Mitte" (CM) und die "Partei Bibeltreuer Christen" (PBC) erzielen. Die CM ist eher im konservativ-katholischen Milieu verhaftet. Sie selbst betrachtet sich als Nachfolgerin der Zentrums-Partei der Weimarer Republik. Die CM ist aus dem Zentrum hervorgegangen, das nach 1945 nicht mehr an die Tradition anknüpfen konnte und über den Status einer katholisch-konfessionellen Kleinstpartei nicht hinauskam. Das Zentrum besteht auch heute noch und hat sich in einigen Bundesländern an der Bundestagswahl beteiligt.
Die CM hat bei der Wahl 2002 knapp 15.000 Zweitstimmen erzielt, 8.000 weniger als 1998.
Die PBC stammt aus dem evangelikal-pfingstkirchlichen Christentum und ist daher dem protestantischen Christentum zuzuordnen. Die Partei erreichte rund 101.000 Zweitstimmen, das sind 30.000 mehr als 1998. Nach Stimmen aus dem evangelikalen Lager hätte ein Teil der PBC-Stimmen genügt, um die CDU/CSU-Fraktion zur stärksten Partei zu machen, damit christliche Politik wenigstens symbolisch in wichtigen Staatsorganen vertreten wäre (hier: Bundestagspräsident).
Gemessen an den Wahlergebnissen spielen die Kleinparteien keine Rolle. Sie sind aber - wie andere kleine Gruppierungen auch - Indikatoren für die Integrationsfähigkeit bestehender gesellschaftlicher Gruppen - hier: Parteien - und zeigen anhand der von ihnen gewählten inhaltlichen Schwerpunkte potenziell mögliche Alternativen auf.

>> Kerndaten zu CM und PBC

(aus einer REMID-Publikation)

Betonung von Wertvorstellungen

Beide christliche Kleinparteien - CM und PBC - agieren von einem hohen Wertefundament, in dem konservativ-christliche Vorstellungen einen zentralen Stellenwert haben. Im Einzelnen sind das vor allem die Betonung der Familie als Einheit von Mann, Frau und Kindern, die Durchsetzung christlicher Wertvorstellungen in der Erziehung im Besonderen und im Handeln des Staates im Allgemeinen. Darüber hinaus zeichnen sich beide Parteien durch einen Anti-Islamismus aus, der bei der PBC jedoch gemäßigter auftritt und sich vor allem auf theologische Fragen bezieht.
Unter dem Aspekt der Wertvorstellungen findet eine deutliche Kritik der CDU und CSU statt, deren "C" im realen Handeln immer weniger erkennbar sei. So habe die CDU viele Entscheidungen, die den christlichen Wertvorstellungen zuwiderliefen, mitgetragen bzw. habe nicht ausreichend dagegen opponiert. Beispiele sind die Regelungen zum Schwangerschaftsabbruch und die Verbesserung der Rechtsstellung gleichgeschlechtlicher Paare. So bezeichnet der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Peter Strauch, die CDU und CSU auch nur als "kleineres Übel".

Wahlempfehlungen

Die Deutsche Bischofskonferenz hat im Vorfeld der Bundestagswahl auf Grund ihrer inhaltlichen Vorstellungen relativ eindeutig zur Wahl von CDU und CSU aufgerufen. Von Seiten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gab es hingegen keine offizielle Positionierung zur Wahl, wenngleich einzelne führende Repräsentanten der EKD und der Landeskirchen ihre Sympathie zur Fortsetzung der rot-grünen Koalition bekundeten, die sich vor allem auf die Stichworte Integration von Minderheiten und soziale Gerechtigkeit stützt. Die Deutsche Evangelische Allianz, in der evangelikale Kirchen und Gemeinden zusammenarbeiten, hat die Wahl von CDU, CSU oder PBC empfohlen. Die Wahlprüfsteine geben einen guten Einblick in die Themen und den religiösen Hintergrund evangelikaler Gemeinschaften.

>> Deutsache Evangelische Allianz: Wahlprüfsteine

Das Dokument findet sich unter "Publikationen"

Einzelergebnisse

Die Wahlergebnisse von SPD und CDU/CSU spiegeln zwar auch die konfessionellen Grenzen Deutschlands (starke katholische Regionen in Süddeutschland und im Rheinland, starke protestantische Regionen im Norden), sind aber von anderen Faktoren abhängig zu machen, wie insbesondere die Wahl im Osten Deutschlands sowie die Ergebnisse der CDU in Baden-Württemberg - ein Land mit starker pietistischer Prägung - zeigt. Die konfessionellen Bindungen sind ein Teil längerfristiger Parteipräferenzen.
Die CM hat nur in vier Ländern Landeslisten eingereicht: Nordrhein-Westfalen, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg; sie erzielte zwischen 0,0 und 0,1 Prozent. Das verweist - entgegen der weitläufigen eigenen publizistischen Tätigkeit - auf eine schwache organisatorische Basis, die zudem keine Bindungen zu religiösen Gemeinschaften aufweist.
Die PBC beteiligte sich in allen westdeutschen Bundesländern außer Hamburg und Bremen. Im Osten hat sie nur in Sachsen eine Landesliste aufgestellt. Mit Schleswig-Holstein und Berlin sind zwei neue Länder hinzugekommen. Das durchschnittliche Ergebnis betrug zwischen 0,2 und 0,3 Prozent. Einen besonders hohen Stimmenanteil gab es in Sachsen (0,6 Prozent, vor allem Erzgebirge und Vogtland) und Baden-Württemberg (0,5 Prozent, vor allem in der Region Stuttgart und Schwarzwald), d. h. Regionen, in denen eine starke pietistische Strömung vorhanden ist. Regional überdurchschnittliche Ergebnisse gab es auch in Oberfranken (Nürnberg, Kulmbach, Hof).

Vollständiges Endergebnis der Bundestagswahl

Über die Homepage des Bundeswahlleiters sind alle Ergebnisse abrufbar. Als PDF-Datei steht die komplette Zusammenstellung aller Ergebnisse bis auf Wahlkreisebene zur Verfügung (3,3 MB)

>> Homepage Bundeswahlleiter

Grafik für Navigation 'nach oben'

© 2002-2004 Informationsplattform Religion / REMID e. V.
Gefördert im Rahmen des Aktionsprogramms "Jugend für Toleranz und Demokratie - gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. www.entimon.de

Erstellt: 31.10.2002

Grafik: Überschrift 'Siehe auch...' für interne Links

 

Grafik-Text: Ihre Meinung...