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Grafik Seitentitel: Schulen (Traditionen) im Buddhismus

Grafik: Symbol für Buddhismus - Rad mit acht SpeichennWie in anderen Religionen auch haben sich im Buddhismus verschiedene Richtungen entwickelt. Der Buddha hatte seine Lehre nicht schriftlich fixiert, so dass es unter den Anhängern zu unterschiedlichen Auslegungen kam.
Schließlich führte auch die Ausbreitung über den indischen Subkontinent hinaus in andere Kulturräume (China, Japan, Tibet) zur Aufnahme neuer Anschauungen. Nicht zuletzt ist die Wandlung in Bezug auf Lehrinhalte und Lebensformen aber ein selbstverständlicher religionsgeschichtlicher Prozess: Versuche, einen "Buddhismus für den Westen" zu entwickeln, belegen dies bis in die heutigen Zeit hinein.
Die verschiedenen Traditionen - im Christentum würde man Konfessionen sagen - werden im Buddhismus meist als Schulen bezeichnet. Das spiegelt zugleich die hohe Bedeutung der Weitergabe der Lehre von einem Meister (Lehrer) an seine Schüler, die ein Kennzeichen vieler Schulen des Buddhismus ist.

Übersicht

Die Unterschiede der Schulen beziehen sich im Wesentlichen auf die Vorstellung des Buddha, die Stellung von Mönchen und Laien, die Meditation bzw. die tägliche Praxis und auf das Verhältnis von Lehrern zu Schülern. Die Darstellung der Schulen erfolgt in der Regel anhand der geographischen Ausbreitung des Buddhismus, beginnend mit dem Auftreten des Buddha im 6. vorchristlichen Jahrhundert.

Theravada (Hinayana)

Die "Schule der Alten" (Theravada) beansprucht, den Buddhismus so leben, wie er von Buddha begründet wurde. Kennzeichen ist die deutliche Trennung von Mönchen und Laien. Die häufig verwendete Bezeichnung "Kleines Fahrzeug" (Hinayana) ist eigentlich abwertend gemeint, da im Theravada-Buddhismus nur die Mönche die Möglichkeit haben, ins Nirvana eingehen zu können.

Mahayana

Als eigenständige Form hat sich der Mahayana-Buddhismus ab dem 1. vorchristlichen Jahrhundert in Nordindien etabliert. Die Anhänger sehen im historischen Buddha die irdische Verkörperung eines übernatürlichen Buddha, der letztlich mit allem Seienden und mit der Lehre identisch ist. Bodhisattvas, das sind Wesen (Menschen), die nach dem Erwachen streben bzw. es erlangt haben, können dem einzelnen Menschen auf ihrem spirituellen Weg helfen. Das Nirvana ist nicht mehr etwas völlig Anderes, sondern mit dem Geburtenkreislauf (Samsara) identisch, das heißt mit dem Erwachen wird auch die Leerheit des Samsara erkannt. Weil auch Laien die Möglichkeit des Erwachens haben, bezeichneten die Anhänger diese Lehre als "großes Fahrzeug" (Mahayana).

 

Die drei nachfolgend beschriebenen Schulen haben sich auf der Grundlage des Mahayana entwickelt. Deshalb werden sie oft auch als Teil des Mahayana dargestellt.

Zen / Ch'an

m 1. Jahrhundert gelangte der Buddhismus nach China, wo er 600 Jahre später eine Blüte erlebte. Dort wurde, ebenfalls ab dem 7. Jahrhundert, der Ch'an-Buddhismus eine der maßgeblichen Schulen. Hergebrachte Konventionen gelten eher als hinderlich auf dem Weg zur Erleuchtung, die sich unvermittelt in der Praxis der Meditation einstellt. Dafür ist jedoch intensive, jahrelange Vorbereitung notwendig. Neben den Meditationsübungen (langes, ruhiges Sitzen zur inneren Versenkung; japanisch: zazen) betont der Ch'an-Buddhismus auch die Bedeutung körperlicher Arbeit.
Von China gelangte diese Form des Buddhismus nach Japan, wo das chinesische wort Ch'an mit Zen wiedergebeben wurde; beides bedeutet "Meditation" oder "Aufgehen".

Amida- (Amitabha-) Buddhismus

Der Amida-Buddhismus nahm seinen Anfang ebenfalls im China des 7. Jahrhunderts. Die Lehre betont einen Aspekt des Mahayana: die verschiedenen Körper des Buddha. Neben dem irdischen und dem kosmischen Buddha residiert ein transzendenter Buddha im "Paradies des Westens", dem Reinen Land. Die Menschen haben die Hoffnung, dass sie von Buddha in dieses "Paradies" aufgenommen werden, von wo aus der Weg zur Erleuchtung viel einfacher begangen werden kann. Amida bzw. Amitabha ist der meist gebräuchliche Name dieses transzendenten Buddha.

Buddhismus in Japan

Zen- und Amida-Buddhismus wurden die bestimmenden Schulen in Japan - ab dem 9. Jahrhundert gewann die Religion auch Anhänger unter der einfachen Bevölkerung. Es entwickelten sich zahlreiche weitere Schulen. Kennzeichen vieler dieser Richtungen ist die enge Verbindung von Spiritualität und Weltzugewandtheit. Weiter ist für Japan typisch, dass die Menschen in ihrem täglichen Leben für bestimmte Zwecke Riten der Shinto-Religion durchführen, bei anderen Anlässen jedoch buddhistischen Lehren folgen.

Vajrayana (tantrischer Buddhismus)

Als gegenüber Theravada und Mayayana eigenständige Richtung ist das "Diamantfahrzeug" (Vajrayana) im 7. Jahrhundert in Nordindien entstanden. Im Vajrayana verbinden sich Lehren des Mahayana mit dem im 5. Jahrhundert aufkommenden Tantra. Die Dualität von Geist und Materie, von Mikrokosmos und Makrokosmos äußert sich auch in der Polarität der Geschlechter. Der Geschlechtsakt, in dem sich diese Polarität auflöst, kann unter Einhaltung bestimmter Übungen und Riten als Mittel auf dem Weg zum Erwachen eingesetzt werden. Wichtig wird dabei die Anleitung durch einen Lehrer (Guru).

Tibetischer Buddhismus

In Tibet wurde der Vajrayana-Buddhismus zur bestimmenden Religion, wobei Elemente der Bön-Religion integriert wurden. Die Bön-Religion hat ihre Wurzeln im Schamanismus und war die Religion der in Tibet lebenden Menschen. Der tibetische Buddhismus wird manchmal auch als Lamaismus bezeichnet. Lama ist das tibetische Wort für Guru (Lehrer). Diese Bezeichnung betont die Bedeutung von Gurus für die Anleitung der Schüler und Schülerinnen bei der Durchführung der verschiedenen Riten, aber auch in der Weitergabe der Lehre Allein der Lama verbürgt - vor dem äußerlichen Studium der Texte - die authentische Lehre, da er auch die Wahrheit hinter den aufgezeichneten Schriften erkannt hat.
Der Dalai Lama ist das Oberhaupt einer der vier Schulen im tibetischen Buddhismus, die ab dem 11. Jahrhundert entstanden sind und den tibetischen Buddhismus entscheidend geprägt haben.
Nyingmapa (Alte Richtung), die älteste Schule, die auf den maßgeblichen Begründer des tibetischen Buddhismus, Padmasambhava, fußt. > Mehr Informationen...
Kagyüpa (mündliche Überlieferung), die auf die Wiederbegründer des Buddhismus in Tibet im 11. Jahrhundert zurückgeht. Die Kagyüpa ist heute in verschiedene Linien unterschieden, unter anderem Karma-Kagyüpa, Drikung-Kagyüpa, Drukpa-Kagyüpa und Shangpa-Kagyüpa. > Mehr Informationen...
Sakyapa (Fahle Erde), die kleinste der vier Hauptschulen. > Mehr Informationen...
Gelugpa (Tugendhafte Schule). Eine Reformströmung des 15. Jahrhunderts. Andere Bezeichnungen sind "Gelbmützen" oder "Neue-Kadampa-Tradition". Der Dalai Lama, Oberhaupt der Tibeter, entstammt der Gelugpa. > Mehr Informationen...

Buddhismus im Westen

Lange Jahrhunderte blieb der Buddhismus auf den ostasiatischen Raum beschränkt. In Indien (und Pakistan) wurde er vom wiedererstarkten Hinduismus bzw. vom Islam verdrängt. Erst im 19. Jahrhundert gelangte der Buddhismus in den Westen.
Anfänglich waren es vor allem Intellektuelle, die sich vornehmlich auf den Theravada als "ursprünglichen" Buddhismus bezogen. Nach dem zweiten Weltkrieg kam der Zen-Buddhismus hinzu, der in der Alternativbewegung die Suche nach neuen Formen von Spiritualität befriedigte. Auch im katholischen Christentum gewann die "Methode" des Zen Anhänger. Durch Migration aus den asiatischen Ländern erreichten ab den 80er Jahren auch alle anderen Schulen Europa und die USA. Vielfach leben zugewanderte und "einheimische", konvertierte Buddhisten nebeneinander her. Die kulturellen Unterschiede sind oft groß, ebenso bestehen Sprachprobleme. Nicht zuletzt aber gibt es unter den Buddhisten, die im Westen sozialisiert wurden, das Bemühen, eigene Wege der Aneignung und Weitergabe der Lehre zu finden: einen "westlichen Buddhismus", der den hiesigen Traditionen und Lebensformen gerecht wird und zugleich den Kern, das "Wesen" der Lehre des Buddha bewahrt.

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Letzte Aktualisierung: 28.03.2004

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